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Das schönste Weihnachten

vom 21.12.2021

Für Christiane gibt es in diesem Jahr weiße Weihnachten. Schon Mitte Dezember hat ihre Familie einen kleinen Baum geschmückt, es gibt Geschenke, Kekse und ganz viel Freude. Und draußen rieselt der Schnee. Christiane Kudlik ist schwer krank und lebt schon seit zehn Jahren im Pilegeheim des DRK in der Rostocker Südstadt.  Seit ein paar Monaten leidet sie außerdem an einem Hirntumor, eine Operation ist nicht mehr möglich. Sie wird in ihrer letzten Zeit dort palliativ betreut. Aber an diesem besonderen Tag ist alles anders, denn sie kommt noch einmal nach Hause.  "Das habe ich mir so gewünscht", sagt sie. "Ich war jedes Jahr zu Weihnachten bei meiner Mutter."
Vor der Tür steht der Wünschewagen, heute mit Rolf Radowitz und Rocco Albrecht als Besatzung. Die Patientin ist schon fix und fertig angezogen, samt Jacke und Schuhen. Zur Feier des Tages trägt sie sogar Nagellack und einen Ring, dafür hat Sara
Groß gesorgt. Die Palliativschwester bleibt den ganzen Nachmittag an der Seite ihrer Patientin.
Und die habe heute einen guten Tag, schätzt Sara Groß ein, die Christiane seit Jahren kennt. "Sonst hat sie oft starke Schmerzen, leidet unter Erbrechen und Desorientierung", erzählt die Altenpflegerin. Eigenständig bewegen kann sie sich kaum noch, nur die rechte Hand funktioniert.  Damit winkt sie voller Freude, als das Wünschewagen-Team in ihr Zimmer kommt. Die fahrbare Trage wird neben das Bett bugsiert,  kräftige Hände heben die 59-Jährige hinüber. Gleich darauf geht die kurze Fahrt los.
"Wir haben zu Weihnachten immer Kekse gegessen und Salzstangen", erzählt sie fröhlich, wenn auch mühsam, denn auch das Sprechen fällt ihr schwer. "Und zum Mittag gab es Kaninchenkeulen. Das war sehr lecker."
Christine hat sogar Geschenke dabei: einen Weihnachtsstern aus Holz, gefertigt in den DRK-Werkstätten, etwas Süßes und ein paar Kleinigkeiten.

Große Freude zu Hause

Für die kleine Familie ist heute schon Bescherung - der Wünschewagen macht's möglich. "Schon vor Wochen hatte Christiane gesagt, dass sie so gern mal nach Hause möchte", berichtet Sara Groß. "Wir haben das mit der behandelnden Ärztin besprochen, den Antrag für den Wünschewagen ausgefüllt und abgegeben - drei Stunden später kam schon der Anruf von der Koordinatorin. Und wir konnten sogar einen Termin aussuchen. Das hat alles wunderbar geklappt."
Nun rollt der blau-weiße Wagen mit den Sternen drauf los und kommt schon ein paar Minuten später in dem Wohngebiet an, wo die Familie auf Christiane wartet. Ihre Schwester Gabriele steht vor der Tür und weint fast vor Glück. "Ich hab sogar Beruhigungstropfen genommen, aber die haben nicht viel genützt", sagt sie. "Es bedeutet uns so viel, dass wir heute zusammen sein können."
Weihnachten ist für Kudliks immer schön, aber auch schwierig, denn 1997 starb der Vater ausgerechnet an Heiligabend. "Aber jetzt ist erstmal Freude dran", lacht Gabriele. In der Wohnung wartet die Mutter.

Ein glücklicher Tag

Das Team vom Wünschewagen lässt die Familie nun allein, nur Betreuerin Sara geht mit nach oben. Dort gibt es Weihnachtsmusik und Kekse, auch Christianes Lieblingstorte steht auf dem Tisch. Knapp drei Stunden später klingelt bei Rolf Radowitz im Wünschewagen das Telefon, Christiane möchte wieder abgeholt werden. Das Team findet drei überglückliche Frauen vor.
"Wir haben die ganze Zeit von früher erzählt, als wir klein waren, was wir angestellt haben, wo wir im Urlaub waren", schwärmt Gabriele. "Wir haben Kuchen gegessen und so viel gelacht. Und mit Christianes Geschenken hatten wir gar nicht gerechnet.
Aber das Wichtigste war, dass wir Zeit zusammen hatten." Auch ihre Mutter ist glücklich. "Es war wunderschön", sagt die 88-Jährige. "Ich bin sehr, sehr dankbar, dass das möglich war", sagte die Seniorin.
"Das war heute ein ganz besonderer Tag für Christiane, so gut ging es ihr schon lange nicht mehr", betont Gabriele. Das bestätigt auch Betreuerin Sara Groß: "Ich hatte ja Medikamente dabei, zur Beruhigung oder gegen Übelkeit. Aber sie brauchte gar nichts, war total entspannt - was Freude so bewirken kann!"
Nun bringt der Wünschewagen Christiane zurück. Sie wirkt viel lebendiger als vorher. "Ich hab mich so gefreut", sagt sie immer wieder.
Es war das schönste Weihnachten in Familie, da sind sich die Schwestern einig. 

Text und Bild: Dörte Rahming/ SVZ

 

Alle Beteiligten sind unter den, zu diesem Zeitpzunkt geltenden, Corona-Schutzmaßnahmen Geimpft, Genesen oder Getestet worden.

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