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Vom Anruf bis zum Abstellen

vom 20.09.2022

Das Telefon klingelt, das E-Mail-Postfach meldet sich mit einem Hinweiston und ja, manchmal flattert sogar ein Fax rein. Täglich erreichen mehrere Wunschanfragen das Projektbüro des Wünschewagens in MV. Jetzt könnte man denken: Alles klar, Wunsch anschauen, Termin eintragen, ein bis zwei freiwillige Helfer:innen anrufen und ihnen sagen, wann es losgeht. Fertig.

Weit gefehlt. Die Wunschorga – so wird der ganze Prozess intern genannt - ist sehr viel aufwändiger, zeitintensiver und zuweilen psychisch belastend. 

Anhand eines fiktiven Beispiels wollen wir einmal genau aufzeigen, welche Schritte zu erledigen, welche Stolpersteine zu beachten und welche Herausforderungen zu meistern sind. 

Wir nehmen also mal an: Ines und Frank sind seit Jahren verheiratet. Ines ist leider schwer erkrankt und Frank erfährt nun vom Projekt Wünschewagen. Auf der Internetseite findet er das Formular für die Wunschanfrage und sendet es dem Projektbüro per Mail zu. Der Wunsch von Ines: Eine letzte Ballonfahrt über Rostock und Warnemünde.  

Noch am selben Tag wird Frank durch das Projektteam kontaktiert. Der ausgefüllte Bogen wird Punkt für Punkt mit ihm besprochen, um gezielt einzelne Aspekte noch einmal zu hinterfragen und Missverständnissen aus dem Weg zu gehen. Natürlich wird ebenso noch einmal der Wunsch von Ines besprochen. Hat sie weitere Wünsche geäußert? Wen möchte sie an ihrer Seite haben? Hat sie einen Wunschtag, an dem es passieren soll? 

Da Ines seit einer Woche im Hospiz untergebracht wird, ist es zwingend notwendig auch mit diesem in Kontakt zu treten. Hier werden noch einmal alle wichtigen Einzelheiten zum Gesundheitszustand von Ines besprochen: Wie ist die medizinische Situation aktuell? Welche Hilfsmittel, z. B. einen Rollstuhl, braucht sie? Wie mobil ist Ines überhaupt? Braucht sie zusätzlichen Sauerstoff oder einen Katheter? 

Genauso wichtig ist es, mit Ines selbst noch einmal den Wunsch zu besprechen. Ist es wirklich ihr Wunsch Ballon zu fahren? Es scheint banal, aber den Wunsch vom Wünschenden zu hören, ist essentiell. Gerade in so schwierigen Zeiten kann es zu vielen Missverständnissen mit den Angehörigen kommen. 

Da Ines oft sehr schwach ist, vermitteln die Pfleger:innen zwischen ihr und dem Projektteam. Daher können schon einmal Tage vergehen, bis alles abgeklärt und besprochen ist.  

Parallel dazu laufen natürlich schon die Anfragen an alle Ballonfahrer im Umkreis. Es ist Juli. Die Fahrten sind restlos ausgebucht. Es gibt aber Hoffnung, denn oft sind Veranstalter besonders engagiert, wenn sie hören, um welches Projekt es geht. Schließlich kommt die Chefin des Unternehmens aus ihrem Urlaub zurück, um Ines Wunsch höchstpersönlich zu erfüllen, indem sie ihr eine Sonderfahrt mit dem Ballon ermöglicht. 

Das Datum steht. Ein schneller Blick auf das Handy. Haben sich die angefragten Ehrenamtlichen bereits zurückgemeldet? Hoffentlich haben zwei von ihnen genau an dem Tag, zu genau der Uhrzeit nicht selber schon Termine. Aber es finden sich Ehrenamtliche, die Ines gerne begleiten wollen. Jetzt kann es schon fast losgehen. 

Aber der Wünschewagen ist gerade noch unterwegs von Wismar nach Rostock. Da Ines schon morgen mit dem Ballon fahren soll, muss heute noch alles vorbereitet werden. Um 22.00 Uhr ist der Wagen zurück. Ausladen, reinigen, Akkus tauschen, Sauerstoff überprüfen, tanken. Um 23.00 Uhr ist dann alles vorbereitet. Morgen um 8.00 Uhr holt der Wünschewagen Ines vom Hospiz ab und die Fahrt kann beginnen. 

Der nächste Wunsch wartet schon, denn das Telefon klingelt auch heute wieder - und viel Zeit bleibt leider fast nie. 

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